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15.04.2017

Stuhlinkontinenz - Erfolgreiche Methode an der Park-Klinik: Stimulation der Beckenbodennerven

Die Störung der kontrollierten Stuhlentleerung betrifft viele Menschen. Während das Thema häufig verschwiegen wird, gibt es Möglichkeiten der Behandlung. Seit nunmehr 20 Jahren ist die Stimulation der Beckenbodennerven (Sakrale Nerven Stimulation) durch einen Schrittmacher als Therapiemöglichkeit in der Anwendung und seit fast 10 Jahren an der Park-Klinik etabliert. Es ist ein Thema, das Betroffene oft peinlich berührt und lieber verschwiegen wird. Dabei leiden ca. 7 % aller „gesunden“ Menschen in einem Alter über 65 Jahren an dem Unvermögen, Stuhl zu halten bzw. ihn kontrolliert zu entleeren. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen und meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Unter anderem ist z.B. eine Muskelschwäche des Beckenbodens bei Frauen verantwortlich, die ein oder mehrere Kinder auf „normalem“ Weg entbunden haben. Die Stuhlinkontinenz kann aber auch Folge einer ärztlichen Intervention sein, wie z.B. Operationen am Schließmuskel oder am Dick- oder Enddarm (insbesondere auch nach Krebsoperationen). Für den einzelnen Patienten bedeutet eine Stuhlinkontinenz eine massive Einschränkung der Lebensqualität mit sozialer Isolierung. Diese entwickelt sich oft über Jahre, so dass der Patient und sein Umfeld dieses nur schleichend wahrnimmt. Der Patient hat sich an sein Leiden „gewöhnt“ und sein Leben danach ausgerichtet.

Schema der endgültigen Implantation der
Sakralen Nerven Stimulation: Der Stimulator
und die Elektroden werden so unter die Haut
gepflanzt, dass sie von außen zu tasten, aber
nicht zu sehen sind. Die Steuerung erfolgt
über ein weiteres „handygroßes“ Zusatzgerät
(Mit freundlicher Genehmigung der Fa.
Medtronic, Kerkrade, Niederlande).


Abklärung der Ursachen
Vor einer möglichen Therapie der Stuhlinkontinenz gilt es zunächst strukturiert und gezielt zu untersuchen, welche Ursachen verantwortlich sind. Insbesondere die Abklärung von Durchfällen und deren gezielte Behandlung führt bei vielen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden. Hierzu sind u.a. eine proktologische Untersuchung mit Ultraschall und ggf. eine Darm- und/oder Magenspiegelung notwendig. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Stuhlinkontinenz können konservative-medikamentöse Verfahren und der Einsatz von Beckenbodengymnastik sowie Biofeedback mit guten Ergebnissen zur Anwendung kommen. Mit diesen Mitteln, also ohne eine Operation oder einen anderen Eingriff, kann der überwiegenden Mehrzahl der Patienten geholfen werden. Entscheidend ist die auf den einzelnen Patienten abgestimmte Diagnostik und Therapie. Bei einem Scheitern der konservativen Therapie stehen auch operative Verfahren zur Verfügung wie z.B. die Reparatur eines Schließmuskelschadens.

Sakrale Nervenstimulation

Im Zentrum der operativen Behandlung der Stuhlinkontinenz steht der Einsatz der sakralen Nervenstimulation (SNS). Sehr erfolgreich wird dieses Verfahren seit etwa 20 Jahren bei der Stuhlinkontinenz eingesetzt und erfolgt in zwei wesentlichen Schritten:
• Testphase
• Operation zur Implantation

In der Testphase wird im Rahmen einer Operation eine Elektrode an den Beckenboden versorgenden Nerven gebracht, in der Regel nur auf einer Seite. Anschließend erfolgt die elektrische, allerdings kaum wahrnehmbare, Stimulation dieser Nerven über ca. 2-3 Wochen mit einem kleinen am Hosenbund angebrachten Gerät. Nach 4-5 Tagen ist der Patient wieder zu Hause und testet unter „Alltagsbedingungen“ den Effekt der Behandlung. Nach erfolgreicher Testung, d.h. wenn der Patient durch die Behandlung wieder kontinent ist, erfolgt in einer zweiten Operation die Implantation eines dauerhaften Schrittmachers, vergleichbar einem Herzschrittmacher, nur für den Schließmuskel (Abbildung 1). Auch hier ist ein kurzer stationärer Aufenthalt von 3-4 Tagen notwendig.

Natürlich kann auch dieses Verfahren nicht allen Patienten helfen und auch nicht alle Patienten können voll davon profitieren. Dennoch ist die sakrale Nervenstimulation mit dem Vorteil verbunden, dass in dem Falle des Scheiterns die Elektroden nahezu folgenlos wieder entfernt werden können.

Magnet-Sphinkter (Fenix®)

Als jüngste Errungenschaft bei der Behandlung der Stuhlinkontinenz kann der Einsatz eines Magnetsphinkters angesehen werden (Abb. 2). Bei diesem System wird um den Schließmuskel ein „Band“ mit kleinen Magneten (15-20 Einzelmagneten) individuell angepasst im Rahmen einer Operation gelegt.

Abb. 2a                    Abb. 2b

Abb. 2a: in Ruhe: Die einzelnen Glieder der Magnetkette umschließen den Analkanal und halten diesen geschlossen.
Abb. 2b: Beim Durchtreten der Stuhlsäule weichen die Glieder der Magnetkette auseinander und geben den Weg frei. Danach erfolgt durch die Magnetkraft unmittelbar wieder der „Ruhezustand“ = Abb. 2a
(Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Torax Medical Inc, Shoreview, USA)

Dieses verschließt den Anus, so dass zur Entleerung der geformte Stuhl durch den Analkanal entleert werden kann, aber in der anderen Zeit dieser verschlossen ist. Dieses System eröffnet auch Patienten,
bei denen die Sakrale Nervenstimulation nicht erfolgreich war, eine weitere Möglichkeit der Behandlung der Stuhlinkontinenz. Die Proktologische Praxis Kiel mit der Abteilung für Proktologie und Proktologische Chirurgie der Park-Klinik Kiel behandelt seit über 30 Jahren Patienten mit allen Formen der Darm- und Enddarmerkrankungen. Zusammen mit Dr. med. Johannes Jongen und Dr. med. Hans-Günter Peleikis betreut Prof. Dr. med. Volker Kahlke in der Park-Klinik schwerpunktmäßig auch Patienten mit einer Stuhlinkontinenz.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Prof. Dr. med. Volker Kahlke
Proktologische Praxis Kiel

Beselerallee 67, 24103 Kiel
Tel.: 0431-56 23 56
www.proktologie-kiel.de

Hier können Sie den Artikel aus der Gesundheitsbeilage der Kieler Nachrichten
downloaden: GW Proktologie




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